Wer zusätzlich zur gesetzlichen Rente vorsorgen möchte, sollte zuerst erwartete Einnahmen und Ausgaben im Ruhestand vergleichen. So erkennen Sie die Versorgungslücke und können einschätzen, wie viel Sie regelmäßig sparen können.
Ein Wertpapiersparplan ist flexibel und bietet Chancen auf Wertzuwachs, schwankt aber im Wert. Eine private Rentenversicherung kann lebenslange Auszahlungen bieten, kostet jedoch häufig mehr und bindet Ihr Geld stärker. Welche Lösung passt, hängt davon ab, welche Risiken und Einschränkungen Sie akzeptieren.
Renteninformation prüfen
Ab dem 27. Lebensjahr erhalten Sie jedes Jahr von der Deutschen Rentenversicherung eine Renteninformation mit einer Schätzung Ihrer späteren gesetzlichen Rente. Prüfen Sie auch, ob Ihre Versicherungszeiten vollständig erfasst sind.
Die ausgewiesenen Beträge sind Bruttowerte. Davon gehen im Ruhestand Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie gegebenenfalls Steuern ab. Die Renteninformation berücksichtigt auch nicht, wie die Inflation die Kaufkraft verändert. Die Zahlen sind deshalb nur eine Orientierung und keine genaue Vorhersage Ihres später verfügbaren Einkommens.
Rentenlücke abschätzen
Stellen Sie Ihre erwarteten Renteneinnahmen Ihren voraussichtlichen Ausgaben gegenüber. Beginnen Sie mit einem realistischen Monatsbudget und berücksichtigen Sie darin Ihre Wohn- und Lebensmittelkosten sowie Ausgaben für Mobilität und Gesundheit. Überlegen Sie zusätzlich, welche Ausgaben im Ruhestand wegfallen und welche hinzukommen. Vergleichen Sie dabei entweder heutige Euro mit heutigen Euro oder künftige Beträge mit künftigen Beträgen.
Inflation macht den Unterschied deutlich: Bei einer angenommenen jährlichen Teuerung von 1,5 Prozent entsprechen 1.000 Euro nach 20 Jahren einer Kaufkraft von ungefähr 740 Euro heute. Das ist eine Rechenillustration, keine Vorhersage der künftigen Inflation. Sie zeigt, warum eine Rentenschätzung in Euro nicht automatisch dieselbe Kaufkraft wie heute bedeutet.
Sparbetrag festlegen
Wählen Sie einen monatlichen Betrag, den Sie dauerhaft aufbringen können. Wie viel Sie sparen können, hängt von Ihrem Einkommen, Ihren Wohnkosten, Schulden und familiären Verpflichtungen ab. Die Verbraucherzentrale nennt für ETF-Sparpläne beispielsweise 25 oder 50 Euro im Monat. Das sind mögliche Einstiegsbeträge, keine Empfehlung für jede Person.
Ein regelmäßiger, tragbarer Beitrag ist oft hilfreicher als ein hoher Betrag, den Sie nach kurzer Zeit wieder aussetzen müssen. Prüfen Sie Ihre Sparrate neu, wenn sich Ihr Einkommen oder Ihre Ausgaben ändern. Bei einem Wertpapiersparplan müssen Sie außerdem damit rechnen, dass der Depotwert zwischenzeitlich sinkt. Geld, das Sie kurzfristig benötigen, eignet sich dafür nicht.
ETF oder private Rentenversicherung
Ein breit gestreuter ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der einen Aktienindex nachbildet. Ein ETF, der weltweit anlegt, investiert in viele Unternehmen aus verschiedenen Ländern. Bei solchen Sparplänen können Sie die Rate anpassen, aussetzen und später wieder aufnehmen. Für diese Anlageform brauchen Sie jedoch einen langen Zeithorizont. Die Verbraucherzentrale nennt mindestens zehn Jahre, besser länger, und weist auf regelmäßige Kursschwankungen hin.
Ein ETF garantiert weder Gewinne noch ein bestimmtes Einkommen im Ruhestand. Auch ein breit gestreutes Depot kann an Wert verlieren, gerade wenn Sie das Geld benötigen. Bei der Auszahlung müssen Sie selbst entscheiden, wie viel Sie entnehmen und wie lange Ihr Vermögen reichen soll.
Eine private Rentenversicherung kann im Gegenzug eine lebenslange monatliche Rente vorsehen. Das kann für Menschen wichtig sein, die das Risiko eines sehr langen Lebens absichern möchten. Prüfen Sie genau, welche Rentenzahlung vertraglich zugesagt ist. Klären Sie auch, welche Kosten anfallen und wie flexibel Sie über das Geld verfügen können. Garantien haben einen Preis und können die Renditechancen begrenzen. Verbraucherzentralen weisen bei privaten Rentenversicherungen insbesondere auf Abschluss-, Vertriebs- und laufende Kosten hin.
Kosten und Bedingungen vergleichen
Vergleichen Sie Angebote nicht allein anhand der prognostizierten Auszahlung oder eines Werbeversprechens. Entscheidend ist, was nach Kosten und Steuern voraussichtlich übrig bleibt und unter welchen Bedingungen Sie an Ihr Geld kommen. Lassen Sie sich die Gesamtkosten und die Effektivkosten nennen. Die Effektivkosten zeigen, um wie viel die Kosten die rechnerische Wertentwicklung eines Vertrags senken.
Lesen Sie außerdem nach, ob der Vertrag Garantien enthält. Prüfen Sie, wann und wie Sie Beiträge ändern können. Klären Sie auch, welche Auszahlungsformen vorgesehen sind. Bei einer Versicherung sollten Sie auch prüfen, was eine Kündigung oder Beitragsfreistellung bedeutet. Falls Sie zusätzlich eine Absicherung gegen Todesfall oder Berufsunfähigkeit brauchen, vergleichen Sie diese Leistung gesondert. Ein gebündelter Vertrag ist nicht automatisch die günstigste Lösung.
Neue Förderung für die private Altersvorsorge ab 2027
Stand Oktober 2026: Neue staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukte sollen ab dem 1. Januar 2027 angeboten werden. Dazu gehört ein Altersvorsorgedepot ohne Kapitalgarantie sowie Produkte mit Garantie. Die Förderung und die Vertragsbedingungen gelten für das neue System; sie ändern bestehende Riester-Verträge nicht automatisch.
Nach den Angaben des Bundesfinanzministeriums sieht die neue Grundzulage für die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr 50 Cent je eingezahltem Euro vor. Für die nächsten 1.440 Euro sind es 25 Cent je Euro. Daraus ergibt sich eine maximale Grundzulage von 540 Euro. Für Kinder gibt es eine zusätzliche Zulage, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Wer Anspruch auf die Förderung hat, kann außerdem einmalig einen Berufseinsteigerbonus erhalten.
Für das Standarddepot ist eine Obergrenze der durchschnittlichen jährlichen Kosten von 1,0 Prozent vorgesehen. Diese Grenze gilt nicht automatisch für alle privaten Altersvorsorgeprodukte. Vergleichen Sie bei verfügbaren Angeboten die tatsächlichen Kosten, die verfügbaren Anlagen, die Förderung und die Regeln für spätere Auszahlungen. Eine Förderung macht ein Produkt nicht von selbst zur besten Wahl. Bestehende Riester-Verträge sollten Sie nicht vorschnell kündigen: Sie können grundsätzlich nach den bisherigen Regeln fortgeführt werden. Prüfen Sie vor einem Wechsel die konkreten Vertragsbedingungen.