Wer im Alter seinen Lebensstandard halten möchte, sollte früh die monatlichen Ausgaben mit den erwarteten Einnahmen vergleichen. Für viele bildet die gesetzliche Rente die Grundlage. Ob sie zusammen mit Betriebsrente und privater Vorsorge reicht, hängt vom Versicherungsverlauf, dem Haushalt und dem persönlichen Bedarf ab.
Die Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung nennt eine voraussichtliche gesetzliche Rente als Bruttobetrag. Für die Planung zählen auch Steuern. Hinzu kommen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie die künftige Kaufkraft.
Was 48 Prozent Rentenniveau bedeuten
Das Rentenniveau wird häufig als Aussage über die eigene spätere Rente verstanden. Die 48 Prozent, die in der Rentenreform als Sicherungsziel vorgesehen sind, dienen jedoch als Vergleichswert für das Rentensystem: Der Wert vergleicht die Rente einer Person, die 45 Jahre lang durchschnittlich verdient hat, mit dem durchschnittlichen Verdienst. Dabei werden Sozialbeiträge abgezogen, Steuern jedoch nicht.
Daraus folgt keine persönliche Zusage, im Alter 48 Prozent des letzten Gehalts zu erhalten. Die individuelle Rente hängt unter anderem davon ab, wie lange Beiträge gezahlt wurden und wie hoch das versicherte Einkommen war. Der Rentenversicherungsbericht 2025 prognostizierte nach dem Ende der Sicherung einen Rückgang des Rentenniveaus auf 46,3 Prozent bis 2039. Auch dieser Wert ist eine Projektion für das Gesamtsystem, keine persönliche Rentenberechnung.
Die eigene Renteninformation prüfen
Die Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung gibt einen ersten Überblick über erworbene Ansprüche und eine mögliche spätere Rente. Versicherte erhalten sie jährlich, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehören mindestens fünf Beitragsjahre. Manche Versicherte erhalten alle drei Jahre eine ausführlichere Rentenauskunft.
Die genannten Beträge sind Bruttobeträge: Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung und gegebenenfalls Steuern werden noch abgezogen. Außerdem berücksichtigt die Prognose den Kaufkraftverlust durch Inflation nicht. Deshalb eignet sie sich als Ausgangspunkt für die Planung, aber nicht als fertige Antwort auf die Frage, wie viel Geld im Ruhestand tatsächlich zur Verfügung steht.
Prüfen Sie auch den Versicherungsverlauf, also die Übersicht Ihrer Versicherungszeiten, auf Lücken, denn Zeiten der Kindererziehung oder des Schulbesuchs werden nicht immer automatisch erfasst. Fehlende Angaben können Sie mit der Deutschen Rentenversicherung klären lassen. Zusätzlich sollten Sie Auskünfte zu einer Betriebsrente und privaten Verträgen zusammentragen. Die Digitale Rentenübersicht kann verschiedene Ansprüche an einer Stelle anzeigen. Sie enthält aber nicht unbedingt die Angaben aller Anbieter oder zu allen Ansprüchen.
Den persönlichen Bedarf berechnen
Vergleichen Sie die erwarteten Ausgaben im Ruhestand mit den voraussichtlichen Nettoeinnahmen. Ziehen Sie die monatlichen Nettoeinnahmen von den monatlichen Ausgaben ab. Das Ergebnis ist eine grobe Schätzung der Versorgungslücke. Für beide Beträge müssen Sie Schätzungen anstellen.
Schätzen Sie zunächst Ihre künftigen Ausgaben. Dazu gehören zum Beispiel Wohnen, Energie, Lebensmittel, Mobilität, Gesundheit und Freizeit. Berücksichtigen Sie dabei, welche Kosten sich bis zum Ruhestand voraussichtlich verändern. Stellen Sie diesen Ausgaben alle erwarteten Einnahmen gegenüber. Dazu zählen die gesetzliche Rente und Betriebsrente sowie die private Vorsorge. Vergleichen Sie möglichst Nettobeträge und berücksichtigen Sie, was die Beträge dann noch kaufen können.
Inflation verändert, was ein Geldbetrag kaufen kann. Eine Beispielrechnung der Deutschen Rentenversicherung zeigt: Bei durchschnittlich 1,5 Prozent Inflation hätten 1.000 Euro in 20 Jahren ungefähr die Kaufkraft von 740 Euro heute. Die Rechnung zeigt, was bei dieser angenommenen Inflation herauskäme. Sie sagt die künftige Inflation nicht voraus. Planen Sie deshalb mit nachvollziehbaren Annahmen und überprüfen Sie die Rechnung regelmäßig.
Auch statistische Zahlen helfen nur bei der Einordnung, nicht bei der persönlichen Prognose. Armutsgefährdung ist ein relatives Maß und sagt nicht voraus, ob eine einzelne Person im Alter in finanzielle Schwierigkeiten gerät.
Vorsorgeformen vergleichen
Wenn die erwarteten Einnahmen den geplanten Bedarf nicht decken, kommen unterschiedliche Ergänzungen infrage. Vergleichen Sie neben den möglichen Auszahlungen auch Kosten, Risiken und Flexibilität. Prüfen Sie außerdem, ob das Geld lebenslang reichen soll. Ein ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der etwa einen Aktienindex nachbildet.
| Vorsorgeform | Möglicher Nutzen | Worauf Sie achten sollten |
|---|---|---|
| Gesetzliche Rente | Für viele Beschäftigte die zentrale Basis der Altersversorgung. | Prüfen Sie den Versicherungsverlauf und rechnen Sie mit dem persönlichen Bruttobetrag, nicht mit dem allgemeinen Rentenniveau. |
| Betriebliche Altersversorgung | Der Arbeitgeber kann die Versorgung bezuschussen oder finanzieren. | Bei Entgeltumwandlung wird ein Teil des Gehalts in die Vorsorge eingezahlt. Das kann die späteren Ansprüche aus der gesetzlichen Rente mindern. Prüfen Sie Zuschuss, Kosten, spätere Abzüge und Folgen bei einem Arbeitgeberwechsel. |
| Private Rentenversicherung | Je nach Vertrag ist eine lebenslange Rentenzahlung möglich. | Vergleichen Sie Kosten, garantierte Leistungen, Flexibilität, Hinterbliebenenschutz und konkrete Auszahlungsbedingungen. |
| Wertpapier-Sparplan mit ETFs | Ein breit gestreuter Sparplan kann langfristig Vermögen aufbauen und flexibel bleiben. | Börsenkurse schwanken, Verluste sind möglich. Auch eine breite Streuung schützt nicht vor einem Wertverlust kurz vor dem geplanten Ruhestand. |
Bei der betrieblichen Altersversorgung sollten Sie besonders genau auf die Entgeltumwandlung schauen. In vielen Fällen muss der Arbeitgeber mindestens 15 Prozent des umgewandelten Betrags zuschießen, wenn er dadurch Sozialversicherungsbeiträge spart. Das bedeutet nicht automatisch, dass jedes Angebot vorteilhaft ist. Die Verbraucherzentrale weist auf mögliche Nachteile hin. So können die Ansprüche aus der gesetzlichen Rente geringer ausfallen. Auf spätere Leistungen können außerdem Steuern oder Sozialbeiträge anfallen. Bitten Sie um eine verständliche Berechnung der voraussichtlichen Nettoauszahlung und vergleichen Sie sie mit dem Gehalt, auf das Sie heute verzichten.
Ein global gestreuter ETF verteilt Ihr Geld auf viele Unternehmen und Länder. Das senkt das Risiko, von der Entwicklung eines einzelnen Unternehmens abhängig zu sein, beseitigt Kursschwankungen und Verlustrisiken aber nicht. Wer kurz vor dem Ruhestand steht oder auf einen festen Auszahlungszeitpunkt angewiesen ist, sollte diese Schwankungen stärker berücksichtigen als jemand mit einem langen Anlagehorizont.
Den Plan regelmäßig anpassen
Die Rentenvorsorge muss nicht mit einer endgültigen Produktentscheidung beginnen. Prüfen Sie zuerst Ihren Rentenverlauf und sammeln Sie alle vorhandenen Ansprüche. Schätzen Sie dann Ihre künftigen Ausgaben und vergleichen Sie sie mit den erwarteten Nettoeinnahmen. Danach können Sie entscheiden, ob Sie zusätzlich vorsorgen sollten und welche Form zu Ihrem Zeithorizont und Ihrem Umgang mit Risiken passt.
Ändern sich Einkommen, Wohnsituation oder Familienverhältnisse, sollten Sie auch die Rechnung aktualisieren. Prüfen Sie bei einem konkreten Angebot die gesamten Kosten und die Auszahlung nach Steuern und Sozialbeiträgen. Für individuelle steuerliche oder rechtliche Fragen ist eine fachkundige Beratung sinnvoll.
Wer im Alter mit geringem Einkommen rechnet, kann außerdem prüfen, ob Grundsicherung im Alter infrage kommt. Das Amt prüft, ob Sie bedürftig sind, und berücksichtigt dabei Ihr Einkommen und Vermögen. Sie ist ein staatliches Sicherungsnetz, ersetzt aber nicht die Prüfung der eigenen Rentenansprüche und Vorsorgeoptionen.